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Gundi Dietz

Berührungen

Jede der Porzellanfrauen zeigt eine Präsenz, die still und stark Raum und Aufmerksamkeit einfordert. In sich gekehrt oder gerade aus blickend, ist ihre jeweilige Grundstimmung vor allem als ruhevoll wahrzunehmen. Sie alle berühren durch ihr einfaches Sein. Das kostbare, wie technisch herausfordernde Material Porzellan, aus dem sie geschaffen sind, kann als symbolisch für das wunderbar Menschliche gelten, das Gundi Dietz in ihrem künstlerischen Werk beschäftigt. Aus welchem Stoff könnte die Einzigartigkeit einer Empfindung, wie durch diese Frauenfiguren verkörpert, besser dargestellt werden?

Eine Assoziation mit Ostasien liegt nahe: China, als die Wiege des Porzellans, Japan mit seiner ästhetischen Reduktion. Weiche Haut aus unglasiertem, poliertem Porzellan mit Ritzen und Markierungen, wie durch das Leben geschrieben. Nichts ist überflüssig, nichts ist zu viel. Ein weißes Gesicht mit wenigen wohl gesetzten Zügen. Die eingefärbten Linien geben einen auf das Wesentliche reduzierten und deshalb so eindringlichen Charakter. Hin und wieder bezeichnen Spuren von Glasur in zurückhaltenden Farben ein Kleidungsstück, Haar oder Lippenrot. Ein Hauch von Textilem wird eingearbeitet und lässt Silvie, Zillie oder Pauline greifbar werden. Manchmal aber schmerzt eine geritzte Linie, die das feine Porzellan durchzieht und die glatte Haut verletzt, die zuvor zu mattem Glanz poliert wurde. Auch dieser experimentelle Umgang mit dem Werkstoff Porzellan steht der ostasiatischen Tradition nahe. Aus den unkonventionellen Versuchen, die aufwändigen Herstellungsprozesse eines Porzellanobjektes zu variieren und ihre riskanten Phasen zu nutzen, kann Neues entstehen. Das wusste man schon vor Tausenden von Jahren in China, auch dort scheute man sich nicht, dem zarten feinen Werkstoff Porzellan liebevoll die notwendigen Grobheiten zuzufügen. Gundi Dietz geht seit Dekaden den Weg des Figurativen konsequent und schöpft die Sinnlichkeit des Porzellans unverblümt aus.

Sind es die oft geschlossenen Augen, das Weiß des Teints, die Seligkeit des In-sich-Ruhens, ungeachtet aller Äußerlichkeiten, die an Abbilder meditierender chinesischer Mönche, an lächelnde Gottheiten aus Blanc-de-Chine denken lassen? Was mag Pauline geformt und geprägt haben? Was geht in ihr vor? Gundi Dietz bearbeitet ihre Figuren, bis sich aus ihrer ursprünglich glatten Oberfläche des in eine Art Urform gegossenen Porzellans eine unverwechselbar eigenständige Persönlichkeit, eine Frau, entwickelt, deren Schönheit in ihrer sinnlich irdischen wie seelisch entrückten Authentizität besteht.

Dr. Claudia Lehner-Jobst - Porzellan-Historikerin, freiberufliche Kuratorin und Autorin für Museen und private Sammlungen (Sammlung des Fürsten von und zu Liechtenstein - Vaduz-Wien, Kunsthistorisches Museum - Wien, Augarten Porzellan Museum - Wien und andere)



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